Zu keinem anderen Thema kursieren mehr Fehlinformationen und Halbwissen im Netz als zu Kryptowährungen und deren Besteuerung. Da ich durch meine berufliche Tätigkeit viel mit dem Thema Steuern zu tun habe und in letzter Zeit vermehrt dazu befragt wurde, möchte ich mein Wissen mit euch teilen. Dieser Artikel ersetzt jedoch keine Beratung durch einen Steuerberater und ich übernehme auch keine Haftung für eventuelle Fehlinformationen meinerseits. Ich schreibe diesen Beitrag nach bestem Wissen und Gewissen und auf Basis meiner eigenen Steuererklärung für 2017, welche ohne Beanstandung von meinem zuständigen Finanzamt akzeptiert wurde.

Als was werden Kryptowährungen eingestuft?

Entgegen vieler Meinungen werden Kryptowährungen als Fremdwährungsgeschäft und nicht als Wertpapiergeschäft eingestuft und fallen damit nicht unter die Abgeltungssteuer (welche sich immer auf 25 % + Solidaritätszuschlag beläuft). Ein Bitcoin ist für das deutsche Finanzamt also eine Fremdwährung, wie zum Beispiel auch der amerikanische Dollar oder das britische Pfund. Durch diese Einstufung ist für uns Paragraph 23 des Einkommensteuergesetztes relevant, insbesondere § 23 Nummer 1 2.

Veräußerungsgeschäfte bei anderen Wirtschaftsgütern, bei denen der Zeitraum zwischen Anschaffung und Veräußerung nicht mehr als ein Jahr beträgt. Ausgenommen sind Veräußerungen von Gegenständen des täglichen Gebrauchs. Bei Anschaffung und Veräußerung mehrerer gleichartiger Fremdwährungsbeträge ist zu unterstellen, dass die zuerst angeschafften Beträge zuerst veräußert wurden. Bei Wirtschaftsgütern im Sinne von Satz 1, aus deren Nutzung als Einkunftsquelle zumindest in einem Kalenderjahr Einkünfte erzielt werden, erhöht sich der Zeitraum auf zehn Jahre.

In den nachfolgenden Punkten werde ich mehrfach Bezug auf den oberen Paragraphen nehmen.

Erwerb von Kryptowährungen

Allgemein gilt hier die Devise “umso mehr Informationen ich dokumentiere, umso einfacher ist die Steuererklärung”. Eine lückenlose Dokumentation von Beginn an ist eine riesige Erleichterung für eine saubere Steuererklärung.

Beim Erwerb von Kryptowährungen sind besonders folgende zwei Informationen wichtig:

  • Datum des Erwerbs (wichtig im Bezug auf die Steuerfreiheit der Gewinne nach einem Jahr Haltedauer)
  • Anschaffungspreis (wichtig für die Ermittlung von Gewinn und Verlust)

FiFo? LiFo?

Bei oben genannten Abkürzungen handelt es sich um die Art und Weise, in welcher Reihenfolge man seine Kryptowährungen verkauft, was eine sehr große Rolle im Bezug auf die Steuerermittlung spielt.

FiFo steht hierbei für First in, First out (zuerst herein – zuerst heraus.), LiFo (zuletzt herein – zuerst hinaus) steht für Last in, First out.

Am besten lassen sich die Methoden anhand eines Beispieles erläutern:

Wir kaufen jeweils einen Bitcoin zu folgenden fiktiven Kursen:

Im Januar für 100 €
Im Februar für 200 €
Im März 300 €

Und verkaufen einen Bitcoin im April für 400 €. Beim FiFo-Verfahren würden wir den zuerst gekauften Bitcoin auch als erstes wieder verkaufen, dementsprechend haben wir einen Gewinn von 300 Euro erzielt. Beim LiFo-Verfahren würden wir den zuletzt gekauften Bitcoin verfahren, dementsprechend haben wir einen Gewinn von nur 100 Euro erzielt.

Das Finanzamt lässt uns genau einmal zu Beginn die Wahl ob wir uns dauerhaft für das FiFo oder LiFo-Verfahren entscheiden, eine nachträgliche Änderung ist dann nicht mehr möglich. Ich persönlich empfehle das FiFo-Verfahren, auch wenn es im ersten Blick teurer erscheint. Durch das FiFo-Verfahren erreichen wir schneller eine Haltedauer von einem Jahr und die damit verbundene Steuerfreiheit der Gewinne (mehr dazu gibt es unter dem Punkt “Steuerfrei”).

Sind Kryptowährungen nun steuerpflichtig oder steuerfrei?

Grundsätzlich sind Gewinne aus Kryptowährungen immer Steuerpflichtig. Wie bei allem gibt es aber auch Ausnahmen von dieser Regelung. Jede Person hat eine Freigrenze von 600 Euro, wichtig ist hierbei aber der Begriff Freigrenze (und kein Freibetrag). Überspitzt gesagt: Habt ihr 600,01 Euro Gewinn erzielt, ist die komplette Summe steuerpflichtig und nicht nur der eine Cent.
Liegt zwischen Erwerb und Verkauf einer Kryptowährung weniger als ein Jahr, ist der Gewinn immer steuerpflichtig (außer es sind weniger als 600 Euro im gesamten Kalenderjahr). Im Umkehrschluss sind alle Gewinne steuerfrei, wenn zwischen dem Erwerb und dem Verkauf ein Jahr (365 Kalendertage!) Abstand liegt. Aus diesem Grund ist eine saubere Dokumentation auch extrem wichtig, da wir dem Finanzamt gegenüber in der Nachweispflicht sind. Können wir den Erwerbszeitpunkt und den Anschaffungskurs nicht nachweisen, setzt das Finanzamt einen Erwerb zum heutigen Tag zum Kurs von 0 Euro an.

Eine weitere Besonderheit betrifft Kryptowährungen die Zinsen oder eine Dividende ausschüttenwie zum Beispiel NEO (in Form von Gas) oder Kucoin (in Form von Beteiligungen an den Transaktionsgebühren der Plattform). In diesem Fall erhöht sich der Zeitraum bis zur Steuerfreiheit auf zehn Jahre.

Was gilt als Erwerb/Veräußerung?

Leider halten sich hartnäckig die Gerüchte, dass erst Steuern anfallen wenn ich meine Kryptowährungen wieder in Fiatgeld (in unserem Fall also Euro) umtausche. Dies ist nicht korrekt. Jede einzelne Transaktion zwischen Euro<->Kryptowährungen und zwischen Kryptowährungen<->Kryptowährungen ist steuerpflichtig.

Zum besseren Verständnis wieder ein Beispiel:

01.01. Kauf 1 Bitcoin für 1.000 Euro
02.01 Tausch von 1 Bitcoin (Kurs 1.500 Euro) für 10 Ethereum (Kurs 150 Euro)

In diesem Fall haben wir unseren Bitcoin für 1.000 Euro gekauft und für 1.500 Euro veräußert. Wir haben also 500 Euro steuerpflichtigen Gewinn erzielt, obwohl wir kein Geld in Euro ausbezahlt haben. Würden wir unsere 10 Ethereum nun wieder in Euro tauschen, würde erneut eine steuerpflichtige Transaktion entstehen. Gerade für Daytrader ist dies eine enorm wichtige Thematik, da ihr durch jeden Trade steuerpflichtige Gewinne produziert, ohne auch nur einen Cent in Fiat umgewandelt zu haben.

Wo trage ich die Gewinne/Verluste ein?

Euren Gewinn tragt ihr in die Anlage SO ein. Der Gewinn wird folgendermaßen ermittelt:

Verkaufspreis
– Anschaffungskosten
– Verkaufskosten (Gebühren)


= Gewinn oder Verlust

Der Gewinn wird dann eurem zu versteuerndem Einkommen hinzugerechnet und mit 0 % bis 45 % (Spitzensteuersatz) besteuert.

Verluste aus dem Handel mit Kryptowährungen können nur mit Gewinnen aus dem Handel mit Kryptowährungen verrechnet werden.

Die Überschüsse aus der Veräußerung sind in der Anlage SO einzutragen. Die Ermittlung des Überschusses ermittelt sich aus dem Veräußerungspreis, abzüglich der Anschaffungskosten und den Veräußerungskosten. Der Überschuss unterliegt dann der Besteuerung. Der Steuersatz beträgt zwischen 0 % und 45 %. Die privaten Veräußerungsgeschäfte fließen in das zu versteuernde Einkommen ein.

 

Auch wissen sollte man, dass Veräußerungsverluste nicht mit anderen Einkünften verrechenbar sind. Das heißt, dass die Verluste sich zum Nachteil der Steuerpflichtigen nicht sonderlich viel ausmachen. Das heißt, die Verluste können nur mit Gewinnen aus privaten Veräußerungsgeschäften verrechnet werden. Dementsprechend werden die Verluste auch am Ende des Jahres festgestellt. Solltet ihr mehr Verluste als Gewinne erzielt haben, werden diese Verluste für die Folgejahre festgehalten und mit späteren Gewinnen verrechnet.

Tipp: Auch wenn ihr nur steuerfreie Veräußerungen  habt, solltet ihr diese dennoch bei der Steuererklärung angeben.  Die Feststellung der Steuerfreiheit liegt allein beim Finanzamt und nicht bei euch. Im Umkehrschluss kann euch nach erfolgtem Steuerbescheid vom Finanzamt auch niemand mehr an den Karren fahren 😉

Muss ich Umsatzsteuer bezahlen?
Dadurch, dass es sich um Fremdwährungsgeschäfte handelt, ist keine Umsatzsteuer fällig.